Als würde der Boden unter den Füßen wegzogen
Draußen vor der Tür-arbeitslos-Krise oder Chance
entnommen aus dem Blatt "Leben 07/2006" der Stiftung Marburger Medien
von DANIELA ENDRESS
bearbeitet von Karl-Heinz Schmidl

Mein Mann und ich sind beide arbeitslos

Seit Sommer letzten Jahres sind mein Mann Thomas (31) und ich (28) arbeitslos. Am Anfang genossen wir noch die freien Tage - es fühlte sich an wie Urlaub. Doch nach einigen Wochen stellte sich eine große Unzufriedenheit ein. Uns war es sehr wichtig, lieber gestern als morgen wieder beruflich Fuß zu fassen. Doch leider mussten wir andere sehr harte Erfahrungen machen, die uns völlig an unsere Grenzen brachten. Wir sammelten Stellenanzeigen, surften stundenlang im Internet, riefen Firmen an und teilten ihnen mit, dass wir Arbeit suchten. Wir bewarben uns in ganz Deutschland, schickten eine Bewerbung nach der anderen weg.
An einem Tag zog ich mich chic an und klapperte alle Firmen in der Umgebung ab - ohne jeglichen Erfolg. Mein Mann
kann seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben. So steht nun die Frage an, auf welchen Beruf er
umschulen kann. Er bewarb sich fleißig, doch es schien, als befände er sich in einem schlechten Traum. Es kam eine
Absage nach der anderen, zum Teil waren die Ausbildungsplätze lür kommendes und übernächstes Jahr schon vergeben.
Diese Hoffnungslosigkeit zog sich über Monate hinweg. Es war, als seien alle „Türen" verriegelt.

Wo finden wir Halt?

Mein Mann und ich glauben an Gott und an seine Zusagen. Die Bibel sagt uns, dass Gott unser Versorger ist
(Psalm 23,1; 55,23), dass ihm nichts unmöglich ist (Lukas 1,37), dass er unsere Bedürfnisse kennt (Matthäus 6,25-34),
dass er ein gu­tes Ende im Blick hat (Jeremia 29,11) und uns alles zum Besten dienen lässt (Römer 8,28). Doch mit
unserer Situation gingen wir beide unterschiedlich um. Mein Mann suchte intensiv den Kontakt zu Gott. Er studierte
Bibelstellen und Geschichten, die auch auf unsere Situation zutrafen, zum Beispiel die von Mose und Josef. Auch ihre
Situation war aussichtslos, und dennoch: Gott änderte sie zu ihrem Besten. Bei mir war es so, dass ich mir einzelne
Bibelstellen herausschrieb und in unserer Wohnung sichtbar aufhängte. Meine Blicke richteten sich oft auf diese Zettel,
die mir ins Gedächtnis riefen, dass Gott bei uns ist. Zeitweise konnte ich jedoch nicht mehr beten. Es schien, als ob
eine Mauer zwischen mir und Gott stand - er schien weit weg. Aber ich wusste, dass er auch dann bei mir ist, wenn
ich ihn nicht spüre.

Wovon sollen wir leben?

Eine große Rolle spielte unsere finanzielle Lage. Zu Weihnachten konnten wir letztes Jahr keine großen Geschenke machen,
doch ohne mochten wir auch nicht auftreten, obwohl unsere Familien das bestimmt akzeptiert hätten. Wir entschieden
uns also, Geschenke zu kaufen. Am Ende hatten alle eins bekommen, nur für uns beide war kein Geld mehr übrig.
Doch wir hatten unseren geschmückten Tannenbaum im Wohnzimmer stehen, geziert mit Geschenken unserer Familien.
Eine andere Situation: Über mehrere Monate hatten wir kaum Geld, um unsere Kosten zu decken, da das zuständige
Amt den Betrag erst berechnen musste. In dieser Zeit erlebten wir Gottes wunderbare Versorgung: Wir wurden öfter
zum Essen eingeladen, bekamen Lebensmittel geschenkt und Geld zugesteckt. Gott gibt uns das, was wirbrauchen
(nicht unbedingt das, was wir uns wünschen!) - wir litten niemals echte Not.
Das Geld von diesem Amt kam geschlagene fünf Monate später. Darüber haben wir uns zunächst sehr geärgert.
Aber Gott hatte vorgesorgt: es kam nämlich genau zu dem Zeitpunkt, als unser Auto nicht mehr über den TÜV
kam und eine größere Reparatur fällig war. So konnten wir mit dem Geld die Rechnung bezahlen.


Worauf können wir bauen?

Über Arbeitslosigkeit zu reden ist eine Sache, sie zu erleben eine völlig andere. Arbeitslosigkeit greift den ganzen
Menschen an - die ganze Persönlichkeit. Thomas und ich fühlten uns so, als ob uns der Boden unter den Füßen
weggezogen würde. Es kam zum Vorschein, auf was wir in unserem Leben gebaut hatten. Worauf stützen wir
uns ganz persönlich? Auf finanzielle Sicherheiten, auf unseren Ruf vor anderen Menschen, auf Hobbys,
die wir uns leisten können?
Arbeitslosigkeit ist kein Thema, über das man hinweggehen kann. Wir werden damit täglich konfrontiert: in
Nachrichten, Zeitungen, Talkshows, in Gesprächen („Schön, dich mal wieder zu sehen.
Und, was machst du so beruflich?"), an der Supermarktkasse („Haben Sie gerade Mittagspause?"
„Nein, ich bin arbeitslos") und im Bekannten- und Verwandtenkreis. Kraft und Ermutigung schöpfe ich in diesen
Monaten aus der Bibel Ich habe etwas dazugelernt: Als auf dem See Genezareth der Sturm tobte, versuchten die
Jünger Jesu zunächst, die Situation alleine zu meistern. Sie kamen dabei in echte Panik. Und sie vergaßen zuerst,
Jesus aufzuwecken und ihn um Hilfe zu bitten. Mein Resümee: Wir können es lernen, gerade in solch einem Sturm
Ruhe zu bewahren und nicht in eine Aktivität hineinzufallen, die uns kaputtmacht. Für mich persönlich bedeutet dies,
die Ruhe, Geborgenheit und den Frieden bei Gott zu suchen. -Und dann finde ich es wichtig, nicht einfach die Hände
in den Schoß zu legen und es sich auf der Couch bequem zu machen, sondern aktiv zu werden. Das bedeutet:
Ich suche Stellenanzeigen und bewerbe mich.
In einer Predigt hörte ich: „Sei zufrieden mit dem, was du hast. Nörgle und jammere nicht. Lass dein Leben und
deine Gefühle nicht von Umständen bestimmen, auf die du keinen Einfluss hast." Mein Resümee: Gott kennt meine
Gedanken und meine Wünsche nach Veränderung der Situation. Doch mein Mann und ich haben alles getan, was
wir momentan tun können. Aber Gott kann die Situation ändern... Bewusst habe ich mich entschieden, nicht mehr
über die Arbeitslosigkeit zu jammern, sondern dankbar für die Versorgung Gottes zu sein. Daraus resultieren innere
Ruhe, Gelassenheit und Hoffnung, ja sogar Wohlbefinden.

Licht am Ende des Tunnels

Unsere Zeit der Arbeitslosigkeit ist noch nicht vorbei. Aber mein Mann und ich haben das Gefühl, Gott ein Stück
mehr kennen gelernt zu haben. Unsere Beziehung zu ihm wurde intensiver und kostbarer. Seit kurzem sehen wir
etwas Licht am Ende des Tunnels: Wir haben beide einen Nebenjob. Außerdem besteht die Aussicht, dass
mein Mann mit einer Umschulung beginnen kann. So warten wir ab und legen unsere Zukunft in Gottes Hände.
Wir verlassen uns auf die Zusagen aus Psalm 37,5-7„Leg dein Schicksal in Gottes Hand; verlass dich auf ihn,
er macht es richtig! Werde ruhig vor dem Herrn, erwarte gelassen sein Tun!"

DANIELA ENDRESS


Worte und Verheissungen Gottes zum Thema

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln
Psalm 23,1

Wirf dein Anliegen auf den HERRN; der wird dich versorgen
und wird den Gerechten in Ewigkeit nicht wanken lassen
Psalm 55,23

Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich
Lukas 1,37

Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen. Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, daß jeder Tag seine eigene Plage hat.
Matthäus 6, 25-34

Denn ich, ich kenne meine Pläne, die ich für euch habe - Spruch des Herrn -, Pläne des Heils und nicht des Unheils; denn ich will euch eine Zukunft und eine Hoffnung geben.
Jeremia 29,11

Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind.
Römer 8,28

Ein Psalm Davids. Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.
Er erquicket meine Seele.
Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.
Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,
fürchte ich kein Unglück;denn du bist bei mir,
dein Stecken und Stab trösten mich.
Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.
Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang
und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Psalm 23


Was kann man tun, wenn man arbeitslos ist -Tipps für Arbeitssuchende und deren Angehörige

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