Bibelvielfalt in Deutschland
„Dein Wort ist die Wahrheit“. (Joh 17,17), so steht es in der Bibel. Damit wird die Wichtigkeit des Wortes Gottes für unser Leben ausgedrückt und es hat Absolutheitsanspruch. Nun gibt verschiedene Übersetzungen und Übertragungen, die wir in unseren Bibelstudium verwenden können. Die bekannteste ist die Übersetzung von Martin Luther (LUT). Manche Christen und vor allem Menschen, die einen Anfang im Glauben gemacht haben, ist die Ausdrucksweise von Martin Luther etwas schwierig. Die Elberfelder Übersetzung (ELB) ist besonders im freikirchlichen Bereich verbreitet, sie kommt den hebräischen und griechischen Urtexten am nächsten. Die Übertragungen z. B. der Guten Nachricht (GN) oder Hoffnung für alle (HfA) sind hilfreich, um uns die Worte der Bibel leichter verständlich zu machen. Auch ich begann am Anfang meines Christ-Seins so. Allerdings muss man sagen, dass diese Übertragungen schon eine Art Interpretation darstellen, die über die Urtexte hinausgehen. Der Versuch einer ökum. Übersetzung, die Einheitsübersetzung (EÜ), ist besonders im katholischen Raum bekannt. In der letzten Zeit sind auch 2 moderne Übertragungen im Buchhandel erschienen, die eine mehr oder weniger heftige Diskussion entfachten. Zum einen ist das die sogenannte VOLX-Bibel und zum anderen die Bibel in gerechter Sprache. Beide habe ich zu Hause, um mir selbst ein Bild darüber zu machen. Die Übertragung der VOLX-Bibel ist mit einem entsprechenden Sprachstil vor allem an Jugendliche gerichtet. Statt „Vater unser im Himmel“ (Luther) können wir z. B. lesen: „Hey Papa da oben“. Dies kann ich tolerieren und verstehen.
Die Bibel in gerechter Sprache (BigS) wird von manchen mit Gewinn gelesen. Ich habe aber Probleme damit: Während zum Beispiel das Vaterunser mit den Worten: „Vater unser im Himmel“ oder so ähnlich beginnt. (LUT, ELB, GN, HfA), liest man z. B. in BigS plötzlich: Mutter und Vater im Himmel. Im griechischen Text (ich habe dort nachgeschaut) steht aber ein Pater=Vater, also männlich, Einzahl). Auch findet man zum Erstaunen z. B. Jüngerinnen und Pharisäerrinnen in der BigS, wo eindeutig männliche Personen genannt sind. Der Bischof unser Landeskirche, Wolfgang Huber, kritisiert diese Stellen der BigS zu Recht: „Dass eine Übersetzung immer auch Interpretation enthält, wird hier umgedreht: Die Interpretation wird als Übersetzung ausgegeben.

Das ist ein Verstoß gegen das reformatorische Schriftprinzip. Gerechtigkeit ist ein
zentrales Thema der Bibel. Aber man kann
doch nicht unter dem Gesichtspunkt der
Gerechtigkeit einen Bibeltext so verdrehen,
dass etwa dort, wo eindeutig zwölf Männer
gemeint sind, „Apostelinnen und Apostel"
geschrieben wird und der Leser den Eindruck erhält, als hätte es in diesem Kreis
auch Frauen egeben."(idea-Spektrum/ 14.
März 07) Ich kann mich da nur anschließen
und werde als Mitglied des internationalen
GIDEON-Bundes weiterhin Luther –Bibeln
verteilen.
Karl-Heinz Schmidl
Bibelaustellung 2003 in der evangelischen
Kirche Weißwasser
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Neue Bibelübersetzung in den Niederlanden
Schon seit längerer Zeit lebte in verschiedenen niederländischen Kirchen der Wunsch, die Bibel neu zu übersetzen. 1989 fasste eine Konferenz mehrerer Kirchen den Beschluss dazu. Die meisten dieser Kirchen beteiligten sich an diesem Projekt. Die protestantischen/evangelischen Kirchen – sowohl traditionell wie auch charismatisch – arbeiteten in diesem Projekt mit der katholischen Kirche zusammen. Auch die jüdische Gemeinschaft zeigte Interesse. Die Arbeit war von Anfang an darauf gerichtet, eine Bibelausgabe für den Kirchengebrauch zustande zu bringen, eine gemeinsam geplante, Kirchengrenzen überschreitende Übersetzung. Sämtliche Kirchen haben ihre eigene Auffassung und Tradition in bezug auf eine Bibelübersetzug. Die jüdische Gemeinschaft z.B. verlangt eine Übersetzung des Tenach, in der es weniger Bücher gibt als in der Übersetzung, die wir täglich gebrauchen. Die römisch-katholische Übersetzung dagegen enthält auch die deuterokanonischen Bücher und ist damit umfangreicher. Das führte dazu, dass man die neue Übersetzung in mehreren Ausgaben veröffentlicht hat. Die Absicht war, eine Bibelübersetzung für das ganze niederländische Sprachgebiet zustande zu bringen, also nicht nur für die Niederlande. Man hat dann auch von Anfang an die Zusammenarbeit mit den belgischen Bibelgesellschaften angestrebt. Auch in Suriname, den Niederländischen Antillen und Südafrika ist man an dieser Übersetzung interessiert. Man hat sich entschieden für eine Übersetzung aus dem Urtext, also aus den Bibelsprachen: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Aus diesen Sprachen hat man sehr genau übersetzt in modernes Niederländisch. Man wollte eine Übersetzung, die allen Lesern geläufig ist, mit Worten aus dem Alltag. Das heisst aber nicht, dass es um einfaches Niederländisch geht. Manchmal ist es schwer zu verstehen, was die Bibel uns sagen will. Mehr als zehn Jahre arbeiteten Dutzende von Menschen an diesem Projekt. Am 27. Oktober 2004 nahm Königin Beatrix das erste Exemplar der Neuen Bibelübersetzung in Empfang. Die Medien widmeten diesem feierlichen Ereignis viel Interesse. Am darauffolgenden Sonntag wurde die neue Bibel in den verschiedenen Kirchen überreicht und in Gebrauch genommen.
Viel Interesse gibt es für Bibelausgaben für junge Menschen. Eine neulich veröffentlichte Ausgabe ist die sogenannte “jongerenbijbel”. In dieser Ausgabe findet man dieselben Texte; sie ist aber sehr attraktiv für Kinder und Jugendliche.
In vielen Kirchen gebraucht man jetzt im Gottesdienst die neue Bibel. Auch in vielen Familien liest man sie täglich. Vielleicht kostete es einige Mühe, sich an das Neue zu gewöhnen. Trotzdem kann man sagen, dass diese Übersetzungsarbeit ein guter Beitrag ist, um die Bibel (wieder) zugänglich zu machen.
Gerrit Wesselink NBG (Niederländische Bibelgesellschaft) Zelhem
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Cees van Dorp bekommt die neue Bibel von Gerrit Wesselink überreicht. |
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