Jesus ist das Hoffnungslicht

Könnte man die Geburt Christi nicht auch in die geschichtlichen Ereignisse einreihen? Christus ist geboren - das kommt einer Sternstunde der Menschheit gleich. In der Weihnachtsgeschichte, wie sie uns das Neue Testament berichtet, werden Fakten beschrieben. Da ist etwas passiert, was nicht mehr auszuradieren ist. Gott schreibt mitten in der Weltgeschichte seine Heilsgeschichte. Die Geburt Christi ist keine theologische Idee, auch kein Mythos, sondern wirkliche Geschichte. Gott kommt herunter in unsere Welt, er ist wirklich Mensch geworden.

Soll das ein Gott der Liebe sein?

Die Weltgeschichte ist von je her eine sehr belastete Geschichte gewesen. Aus dem Umfeld der Geburt Christi ist uns die brutale Römerherrschaft bekannt, da hören wir von jüdischen Revolutionären, die eine terroristische Bewegung in Gang gesetzt haben, um Tsracl von der

Römerherrschaft zu befreien. Macht, Intrigen, schreiende Ungerechtigkeit, Ausbeutung des Volkes, eine Geschichte von Schicksal und Schuld, von Armut und Elend. Und mit dieser dreckigen, belasteten Welt lässt Gott sich ein. Diese Si-tuationsbeschreibung dürfte uns aus der gegenwartigen Welt nicht ganz unbekannt sein. Wer kann die täglichen Berichte von Blut und Tränen, von Hass und Gewalt noch ertragen? In dieser Welt ist Gott aktiv geworden. Gott kommt in unsere Weltgeschichte hinein, wir sind also nicht abgeschrieben, wir sind den Mächten und Mächtigen dieser Erde nicht ohnmächtig ausgeliefert.
Nun werden einige fragen: Weihnachten als Sternstunde der Menschheit zu kennzeichnen - ist das nicht ein wenig zu hoch gegriffen? Und wie kann sich denn die Geburt Christi in einem so unansehnlichen Kaff Bethlehem ereignen? Warum nicht in der Hochburg der Künste und Wissenschaften, in Athen? Warum wird Gott nicht in der Weltstadt Rom aktiv? Gott setzt abseits der großen Weltgeschichte ganz unten an. weil er das Geringe und Verachtete liebt. Gott will mit den Elenden und Enttäuschten, mit Bekümmerten und Traurigen solidarisch sein, damit wir Vertrauen fassen und einen auf unserer Seile haben, der uns versteht, der mit uns leidet und weint. Beim Auftreten des römischen Kaisers Augus-lus (63 vor Chr. bis 14 nach Chr.) glaubte man: Nun kommt der Heilsbringer, der in die Trostlosigkeit und Zerrissenheit dieser Welt mit etwas mehr Gerechtigkeit und mit weniger Leid einen Strahl der Hoffnung hineinbringt. Augustus nannte sich Heiland und Gott. Viele glaubten: Jetzt bricht das Goldene Zeitalter an. Aber mit 35 Jahren war Augustus bereits ein kränklicher Mann, von dem es heißt: „Er teilte den Aberglauben seiner Zeit, er trug ein Seehundsfell gegen Blitzschlag." Ein kluger, großer Herrscher, aber ganz in der Angst dieser Welt gefangen. Da ist nichts von Heil und Glück zu erkennen.

Gottes Licht für eine dunkle Welt

Auf diesem Hintergrund haben die neu-testamentlichen Zeugen Wert darauf gellegt, Jesus als den wahren Heiland zu bezeichnen. Er ist der Ganzmacher, der kaputtes Leben wieder heil macht. Die Botschaft vom Kommen Gottes in unsere Well will auch in unserem Leben Fuß fassen. Da leidet einer unter Verletzungen, die er erfahren hat. Ein anderer fragt: Warum schleppe ich nur ein so belastetes Erbe mit mir herum? Eine Frau leidet darunter, dass Lebensträume sich nicht erfüllt haben und im Blick auf eine schwierige Ehe fragt sie: War das denn alles? Gott will uns mit unserer Lebensgeschichte nicht allein lassen. Auch da, wo wir Scherben gemacht haben, distanziert er sich nicht von uns. Von ihm geht Kraft aus, die zerbrochene Beziehungen heilt. Weihnachten sagt uns: Keiner muss in Schuld und Unzufriedenheit stecken bleiben. Lassen Sie den Heiland an die Schwachstellen Ihres Lebens heran. Schreien Sie bei ihm Ihre Ängste heraus. Bei ihm kann man sich ausweinen. Aus Schlägern und Geschlagenen, aus Frustrierten und Zukurzgekommenen wird eine heile, neue Kreatur. Gewiss sind durch das Kommen des Heilandes nicht alle unsere Fragen beantwortet. Auf dieser Erde bleiben ungelöste Fragen zurück. Von Dietrich Bonhoeffer stammt der Satz: „Es gibt erfülltes Leben trotz unerfüllter Wünsche."

Erfülltes Leben - trotz unerfüllter Wünsche

Gern erinnere ich mich an ein älteres Ehepaar, das ich während meines Studiums kennen lernte. Der Sohn war im Krieg gefallen, dem Schwiegersohn musste man infolge einer Verwundung beide Beine amputieren. Heimat und Besitz mussten sie in Ostpreußen zurücklassen. Nun stand ihnen nur ein Zimmer als Wohnraum zur Verfügung. Dazu stellten sich Krankheiten ein. Aber ihre Augen leuchteten. Sie hatten eine Sternstunde in ihrem Leben erfahren, als sie Jesus Christus in ihr Leben aufnahmen. So waren sie nicht an den negativen Erfahrungen des Lebens hängen geblieben. Wie hat mich diese Lebenseinstellung beeindruckt! - Ein Künstler hat die Gestalt des greisen Simeon dargestellt. Si-meon hält mit zittrigen Händen das Jesuskind an der Klippe von Bethlehem auf seinen Armen. Sein Gesicht ist verbraucht und verwelkt, das harte Leben hat ihn gezeichnet, aber aus seinen Augen leuchtet das Glück. Die Strukturen der Welt haben sich nicht verändert, aber das Leben des Simeon ist von dem Licht durchdrungen, das über Bethlehem aufgegangen ist. Nun mag der eine oder andere sagen: „Das ist ja alles schon so lange her. Ist das für uns heute nicht doch nur Träumerei? Was bringt mir das heute?" Die Weihnachtsbotschaft fordert uns heraus, gewisse Schritte zu tun. Was uns da verheißen ist, müssen Sie einfach ausprobieren. Glauben heißt, gewisse Schritte wagen. Vielleicht bedeutet das konkret für Sie: Schlagen Sie die Bibel auf und lesen Sie die Berichte von der Geburt Christi (siehe Lukasevangelium, Kapitel 2). Suchen Sie Menschen auf, die überzeugte Christen sind. Beten Sie zu Gott, dass er Ihre Augen erleuchtet. So kann die Sternstunde in Ihrem Leben beginnen.

THEO WENDEL

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